Jun 222014
 
Lombardkredit

Lombardkredit

Lombardkredite sind gebührenfrei, spesenfrei, zinsengünstig und für jeden Wertpapierbesitzer ganz einfach zu haben.

Trotzdem wissen die Wenigsten, dass es sie gibt, geschweige denn, damit gut umzugehen. Vielleicht ist es der sperrige Name „Lombardkredit“, der schon allein viele abschreckt (Schließlich war der legendäre „Lombardklub“ eine Institution der österreichischen Hochfinanz, kein Sparverein). Vielleicht ist es auch der Ruf, dass Lombardkredite „gefährlich“ seien, der die meisten Kunden gar nicht hinschauen lässt und viele Bankberater einmal grundsätzlich abwinken.

Spesenfrei, gebührenfrei, zinsengünstig

Dabei ist der Lombardkredit eine äußerst interessante Finanzierungsform, vor allem seit zehntausende private österreichische Besitzer von Online-Wertpapierkonten automatisch dazu Zugang haben: Sie überziehen einfach das Verrechnungskonto,damit ist nicht ihr Girokonto gemeint, sondern ein eigens dafür angelegtes Konto, das zur Verrechnung für das Ein- und Verkaufen von Wertpapieren dient und somit zusätzlich zum Wertpapierdepot führen. Die Wertpapiere dienen als Sicherheit dafür.

Was ist also das Besondere daran?

70 Prozent von Anleihen und Anleihenfonds; etwas mehr, wenn es nur um Euro-Veranlagungen geht; eine Wiener Bank beleiht beispielsweise Immobilienaktien und Immobilienfonds mit bis zu 80 Prozent und 90 Prozent, wenn es um Bundesanleihen oder eigene Emissionen der Bank geht.


Wer ein Verrechnungskonto bei einem Online-Broker hat, dem wird diese Grenze automatisch ins Verrechnungskonto „eingebaut“: Die Bankensoftware ordnet jedes gekaufte Wertpapier einer Kategorie zu und errechnet daraus den Rahmen. Bei jeder erstmaligen oder zusätzlichen Belastung des Rahmens wird man elektronisch gewarnt. Will man mehr kaufen, als der Rahmen zulässt, wird der Kauf nicht ausgeführt. Da es hier oft zu seltsamen Zuordnungen kommt (speziell bei exotischeren Fonds, Hedge-Fonds oder Zertifikaten), lässt sich mit der Hotline vielleicht über die Höhe des Rahmens verhandeln.

Nicht sinnvolle Lombard-Verwendungen

Eindeutig günstiger ist der Lombardkredit, wenn Sie diese Überziehung mit der Überziehung Ihres normalen Gehaltskontos vergleichen oder auch mit der Aufnahme eines Ratenkredits. Genauen Rechnern ist natürlich klar, dass ein Verkauf der Wertpapiere günstiger ist als diese Finanzierung, da man sich überhaupt die Kreditzinsen erspart. Zur kurz- oder mittelfristigen Überbrückung ist das aber alle Mal eine besonders günstige Alternative und auch langfristig, wie oben vorgerechnet, wenn man ertragreich anlegt.
Nun soll also auf keinen Fall der möglichst hohen Ausnützung des Kreditrahmens das Wort geredet werden, da das eine gefährliche Tangente hat. Kommt es zu einem Kurseinbruch, muss man entweder zusätzliche Wertpapiere gegen zusätzliches Bargeld kaufen oder die Bank ist befugt, selbständig Wertpapiere zu verkaufen, bis der Kredit wieder unter die Belehnungsgrenze gefallen ist.„Wenn man an das letzte Mai denkt, sind die Kurse in wenigen Tagen um 30 Prozent gefallen. Und wenn dann Kunden beispielsweise viel in Garantieprodukte veranlagt haben, müssen sie Teile davon verkaufen, und das zu einem ganz schlechten Zeitpunkt.“

Es macht auch kaum Sinn, einfach das Konto zu Zinssätzen von fünf oder sechs Prozent zu überziehen und dann in Euro-Staatsanleihen zu investieren, die Brutto vier bis fünf Prozent bringen, wovon also Netto auch noch die KESt abgezogen wird.

Hebelung des Wertpapierertrags

Erstens: Der Lombardkredit ist frei von der Kreditgebühr/Steuer, die ansonsten als Zusatzkosten von 0,8 Prozent auf die anderen geläufigen Kreditarten anfällt. Für Tüftler sei das Ganze auch exakt formuliert: Lombarddarlehen sind gebührenfrei, der Unterschied zum Kredit liegt darin, dass dieser nicht nur einmal ausnutzbar ist und auf keinen fixen Darlehensbetrag lautet. De facto werden aber sowieso nur gebührenfreie Lombardfinanzierungen angeboten.

Zweitens: Für eine Lombardfinanzierung verlangen die Banken keine oder eine ganz geringe Bearbeitungsgebühr (eine Bank erwähnte auf Anfrage eine Gebühr von 0,25 Prozent, alle anderen keine).

Drittens: Die Zinsen sind äußerst niedrig, ähnlich wie bei einem mit einer Hypothek auf Immobilien besicherten Kredit und viel günstiger als Kontoüberziehungen oder Ratenkredite.

„Die Zinsen liegen bei voller Deckung ungefähr auf dem Niveau von Wohnbaukrediten“, das ist im Vergleich eine Kondition wie bei einer Immobilienfinanzierung mit guter Bonität.

Der Weg zum einfachsten Kredit

Zum Kredit kann man wiederum auf zweierlei Wege kommen, und beide sind äußerst einfach: Man kann einfach mehr Wertpapiere kaufen, als Bargeld auf das Verrechnungskonto eingezahlt wurde. Damit will man den Lombardkredit quasi als Hebel für mehr Ertrag der Wertpapiere nützen (dazu gleich mehr). Oder man lässt sich Geld auf ein anderes Konto überweisen, um es zur Finanzierung, von weiß Gott was zu, verwenden, denn der Verwendungszweck ist in diesem Fall für die Bank egal und ihr auch unbekannt.

Wie hoch besichert wird

Das wirft die nächste Frage nach der Höhe der Besicherung auf. Die Banken unterscheiden durchwegs, um welche Art von Wertpapieren es sich handelt, die als Besicherung dienen, und als Faustregel gilt:50 Prozent Belehnungsgrenze vom Wert von Aktien und Aktienfonds,

Sinn macht es hingegen, ein in Aktien, Immobilien, Hochzins-Anleihen und Hedge-Fonds investiertes Portfolio (also gestreut), durch eine Kontoüberziehung von bis zu einem Drittel des Depotwerts zu hebeln.

Einfaches Rechenbeispiel dazu:

50.000 Euro sind gut gestreut veranlagt und bringen einen Ertrag von acht Prozent pro Jahr, also 4.000 Euro.

Wer zum Vergleich das Konto um 20.000 Euro überzieht und dieses genauso veranlagt, hat 70.000 Euro investiert und davon rund 29 Prozent belehnt. Acht Prozent Ertrag von 70.000 ergibt 5.600 Euro Ertrag. Sechs Prozent Zinsen auf 20.000 ergibt 1.200 Euro an Finanzierungskosten. Der gehebelte Ertrag liegt also bei 4.400 Euro, schlichte zehn Prozent mehr an Ertrag unterm Strich. Das Risiko ist natürlich auch klar: Fallen die Kurse um 20 Prozent, verliert man statt 10.000 nun 15.200 Euro (Kursverlust plus Kreditkosten).

US-Dollar-Spekulation

Der Lombardkredit ist auch die einfachste Art, sich gegen einen fallenden US-Dollar abzusichern oder sogar davon zu profitieren. Praktisch jede Bank bietet nämlich auch die Möglichkeit, ein zusätzliches Wertpapierkonto auch in US-Dollar zu führen und zu überziehen. Investieren Sie nur in Euro-notierte Wertpapiere und überziehen Sie für den Kauf den US-Dollar-Rahmen, gewinnen Sie, wenn der US-Dollar fällt (und verlieren, wenn er steigt). Sind Sie in US-Aktien oder Dollar-notierte Anleihen investiert und finanzieren das über eine Kontoüberziehung im US-Dollar, haben Sie damit das Währungsrisiko neutralisiert.

… Der billigere Kontenrahmen

Bildquelle: Dieter Schütz  / pixelio.de

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